wir danke

Kalkbrennen

Keiner von uns hat je einen Kalkbrand unternommen, obwohl wir bei unseren Bauarbeiten immer wieder mit dem Material Kalk in seiner unterschiedlichsten Form zu tun haben. Wir hatten uns schlau gemacht, Verbündete gesucht und einen entsprechenden Brandort gefunden und versuchen jetzt unser Glück.

Unser Brandplatz liegt im Liesberger-Steinbruch der Firma Thomann.

Christian Thomann zeigt uns den Standort. Er liegt aus feuertechnischen Gründen auf der etwas höher gelegenen Terrasse, die abgewendet vom Wald liegt.
Auf dem Foto ist sie unten rechts sichtbar.

Liesberger Kalkstein

Fünf verschieden Steinqualitäten sind im Steinbruch in verschiedenen Schichten vorhanden:

1.    Kreidig
2.    «Sternli» Stein
3.    Erster Meter
4.    Bildhauerbank
5.    Baubank

Der Kreidige ist wie die Bezeichnung sagt kreidig und etwas weich. Der «Sternli» Stein ist etwas härter. Diese beiden Qualitäten sind in den oberen Steinschichten anzutreffen und müssen vorgägig abgeräumt werden. Dieses Material wird im Weg- und Gartenbereich verwendet.
Der Erste Meter kann im Verbauungsbereich verwendet werden. Ist aber noch etwas verrissen und stark mit Lehmadern versehen.
Die beiden nächsten Qualitäten sind wertvoller, da sie frostfest sind und in grösseren Blöcken vor kommen. Dieses Material wird für Brunnenanlagen, Grabmälern und Skulpturnen aber auch im Baubereich für Fenster-, Türgewänder wie auch für Bodenplatten eingesetzt.

Ofenarten

Grundsätzlich sind für uns zwei Arten von Öfen möglich:

1.    Der Kalkofen wie er im Freilichtmuseum Ballenberg errichtet wurde. Sie haben einen sogenannten Feldofen gebaut der mit einem aus granitischem, kristallinen Gestein errichteten Mauerwerk ummantelt ist. Diese Ofentypen sind dauerhaft.

2.    Der Einwegofen ist ein Ofen der jeweils neu errichtet werden muss. Grob kann man von zwei Varianten ausgehen:
a.    Einer mit einem Schutzmantelmauer aus Stein, welcher mit dem Brandgut durch eine Trennschicht gekennzeichnet wird, zum Beispiel mit Stroh und Lehm.
b.    Die andere Weise, ist ähnlich wie beim Köhlern , die Technik mit dem Meiler. Hier wird das Brandgut zu einem Ofengewölbehergerichtet und so der ganze Meiler von innen  gebaut. Dieses Brandgut wird mit einer Stroh- und Lehmschicht und darüber mit isolierendem Erdreich zugedeckt. Mit Vorteil kann dieser Meiler in eine
Böschung eingebaut werden.

Wir haben uns für die Variante Meiler entschieden.

Probebrand

Unser Probebrand hat Vater Heinzelmann in seinem Keramikofen durchgeführt. Gut drei Tage setzte er die Steinproben einer Temperatur von 80° aus bevor er den Ofen ganz schloss und die Temperatur innert zwei Tage langsam auf 950° erhöhte.
Die fünf Steinproben wurden zum Vergleich mit einem Stück Alpenkalk und einem Kalkstein aus Häfelfingen ergänzt.

Es zeigte sich das die Steine nach dem Brand knapp 1/4 leichter wogen. Kleinste Gesteinsproben haben wir mal einsumpfen lassen. Geringe Unterschiede zeigten sich.
Später werden wir die Proben in der Anwendung testen.

Gewichtverluste und Färbung nach dem Brand:
Kreidig: Liesberg = – 19.8 % / weiss
Sternli: Liesberg = – 31.5 % / weiss
1. Meter: Liesberg = – 23.4 % / weiss
Bidhauerbank: Liesberg = – 25.8 % / weiss
Baubank: Liesberg = – 23.8 % / weiss
Alpenkalk: Ballenberg = – 21.0 % / weiss
Hauptrogen: Häfelfingen = – 25.9 / hellbeige

Brandplatz einrichten

Nach dem die Gelände-Terrasse geebnet wurde ist der Holzunterstand zu errichten.
Zwei erfahrene Zimmermänner kamen uns zu Hilfe. Zu fünft erstellten wir ein sehenswerter Farnbau.

Stolz stehen wir vor unserem Tageswerk: (von Rechts nach Links) Markus Zentner, Jakob Steinmann, Emmanuel Weber, Titus Heinzelmann und Michele Cordasco.

Danke an die Zimmerleute.
Kontakt zu ihnen:

Bau des Meilers

Der Meiler ist ein Einwegofen für einen einzigen Brand. Er wird in einen bestehenden Erdhügel hinein gebaut. Der notwendige Raum wird mit dem Bagger ausgehoben.

 

Parallel zum Aushub baut Jean-Luc Aeby die Lehre für das Ofengewölbe.

In den grosszügig vorbereiteten Platz werden Steinblöcke, welche als Ofenwände dienen, platziert. Auf diese wird das vorbereitete Lehrgerüst eingerichtet und unterbaut.

 

Ein wichtiger Moment ist das Erstellen des Rundbogengewölbes. Radial, auf das Bogenzentrum ausgerichtet, werden die keilförmigen Bogensteine zu einem Gewölbe geschichtet.
Parallel zu dieser Arbeit wird das Wiederlager im Bereich des Gewölbes gebaut.


Ein grosser Gneissblock wird als Sturz eingesetzt und bildet über der Feueröffnung den Ofenabschluss.

Die zu brennenden Steine werden im Steinbruch gesammelt und zum Meiler errichtet. Auch im oberen Bereich wurde die keilförmige Schichtung angewendet.

 

 

 

 

 

 

Im hinteren Bereich des Meilers sind Hölzer eingebaut. Beim Einfeuern verbrennen diese und bilden Kamindurchgänge. Sie sollen die Hitze besser verteilen.
Nach dem Brand werden wir feststellen können, ob dies notwendig war und ob es allenfalls mehr davon gebraucht hätte.

 

Rund zwei m3 Ofeninhalt stehen bereit.

 

Mit Stroh und einer Ton-Sandmischung wird der Steinkegel ummantelt.

Ein weiteres Sturzelement wird das darüber liegende Erdreich abstützen.

Die Lehm-Trennschicht soll primär die Verschmutzung des Kalkes durch die Erde vermeiden.

Das Stroh bildet die erste Trennung zwischen Stein und Lehm und armiert die Lehmschicht darüber. Durch die Hitze wird der Lehm gebrannt und kann später beim entleeren des Meilers als Kruste abgetragen werden.

Mit dem Holzrahmen wird die Kaminöffnung freigehalten.

Von Links:
Michele Cordasco, Christian Thomann, Andi Fuhr, Jakob Orecht, Titus Heinzelmann, Sarah Ita und Emmanuel Weber.

Vor dem Anschütten der Erde werden die Dachstützen gestellt und der frisch aufgetragene Lehm mit Hölzer geschützt.

Der Meiler wird mit Erde umhüllt.

Am Mittwoch vor dem Brand wird ein Dach über den Meiler gebaut.

Kalkbrand

Die letzten Vorbereitungen:
Bei Bedarf soll mit einer Metallplatte das Feuerloch geschlossen werden können, dafür wird die Öffnung im Fussbereich angepasst.

Mit dem legen des Feuers kommt die Spannung auf ob die Kaminwirkung funktioniert.
Nach kaum einer Minute ist ersichtlich, dass der Rauch aus dem Kamin dringt.

Das erste Warten und Beobachten. Das Feuer greift das Lehrgerüst an auf welchem das Tonnengewölbe ruht.

Ein dumpfer Ton – ein Stück des Gneis-Sturzes, an dem die Flamme empor streicht, platzt ab. Die Spannung steigt erneut.
Nach gut einer Stunde ist klar – das Tonnengewölbe hält.

Interessant war auch die Rauchfärbung. Für kurze Zeit war der Rauch eher dunkel, bräunlich und wie im Stall riechend. Vermutlich durch das abbrennende Stroh verursacht.

Der Brand funktioniert.

Der erste Tag liegt hinter uns. Das erste Gewitter ist überwunden. Die erste Nachtschicht beginnt.

Die wichtige Information, dass in den ersten 30 Stunden noch keine grosse Hitze erzeugt werden darf, erhielten wir gerade noch rechtzeitig. Es ist erforderlich, dass das Gestein langsam die Feuchtigkeit von sich gibt. Ansonsten könnte es die Steine, ähnlich wie beim Frost, sprengen und somit das Gewölbe zum Einstürzen bringen.

Nach der ersten turbulenten Gewitternacht, bei der sich die Dächer bestens bewährten, zeigten sich beim Meiler die ersten Schwachstellen.

In der zweiten Nacht konnten man bereits das Glühen der oberen Steine beobachten.

Die ersten Besucher am Kalbrandfest zeigten sich begeistert.
Im Vordergrund Michael Fürstenberger; durch seine Initiative wurde man auf die Kalköfen in dem benachbarten Bärschwil aufmerksam. Darauf hin wurden diese freigelegt und konserviert.

Besucher beim Betrachten der Fotodokumentation.

Das Einheizen gibt Feststimmung

Eindrückliches Bild des Meilerinnerns.

Deutlich sichtbar die Hitze und wie diese das Gestein belastet.

Die Kalkbrand-Initianten werden vom Reporter des Laufentaler Wochenblatts befragt und fotografiert.
Im Hintergrund sitzt der Freundeskreis der Gebrüder Thomann AG an ihrem neuen Stammtisch. 

Die Initianten nach dem Fotoshooting.

von Links: Titus Heinzelmann, Jean-Luc Aeby, Emmanuel Weber, Christian Thomann und hinter der Kamera Michele Cordasco.

In der Hälfte der vorgesehenen Brandzeit wird eine Probe entnommen.
Wir können feststellen, dass der Gewichtsverlust der obersten Steine noch zu gering ist.
Bisher sind etwas mehr als 5 Ster Holz verbrannt worden.

Einen herzlichen Dank an die Burgerkorporationen Liesberg und Dittingen sowie Christian Thomann, welche Holz zum Feuern beigesteuert haben!

 

Nochmals einen Blick ins Innern des Meilers bevor die dritte Nachtschicht beginnt.

Gemütliche Stimmung am Brandplatz.

Das kontinuierlich stündliche Einheizen.

Ein erneute Gesteinsprobe die nicht positiv verlauft.
Der Stein ist einiges leichter aber im Wasser zeigt er nicht die gewünschte Reaktion.

Die derzeitige Beobachtung lässt vermuten, dass das Brandziel des Hauptvolumens erreicht ist. In den oberen Meiler-Bereich muss nun die Hitze steigen, was schwierig zu erreichen scheint.

Die nächste Nachtequipe macht sich bereit.

Grössere Gesteinsstücke fallen in den Feuerraum. Ein schönes Exemplar wir hier gerade heraus geholt.

Die vierte Nacht.

Sicht in die Kaminöffnung.

Eindrückliches Feuerloch kurz vor dem Nachfeuern.

Verschiedentlich wurde uns auf mögliche Gefahren hingewiesen. Die Wurzel aus dem Aushub mit seinem «Sali Peter» zeigte sich gütlich.

Eine erneute Brandprobe aus dem oberen Kaminbereich zeigte sich gleich wie jene Tags zuvor.
Wir gehen davon aus, dass dieser obere Meilerbereich nicht besser erhitzt werden kann. Hierfür brächten wir Seitenöffnungen um die Hitze umleiten zu können.

 

Mit der Morgensonne im Rücken beschliessen wir uns noch einmal kräftig ein zu Feuern und danach den Brand nach 4 Tage und Nächte zu beenden.

Der Brandplatz ist aufgeräumt, der Meiler mit Wellblech zusätzlich abgedeckt.

Ein letzter Blick.
Wir gehen davon aus, dass wir in einer Woche den Meiler öffnen und das Brandgut herausnehmen können.

Meiler ernten

Das Ausräumen des Meilers steht noch bevor.
Eine Woche nach Brandende sind die Steine handwarm.

Das Ausräumen des Meilers steht an.
Das Gewölbe ist in sich zusammengestürzt.

Der erste Blick in den Innenraum.

Der Hohlraum lässt die Konstruktion des Meilers von Innen ablesen. Die Lehmschicht welche sich, wie erwartet, zu einer festen Kruste formte ist stehen geblieben. Die feinen weissen Fasern sind die verkohlten Reste des Strohs.

Enttäuscht nehmen wir zu Kenntnis dass wir das Ziel nicht erreicht haben. Die Steine zeigen nicht die gewünschte Reaktion im Wasser.

Wir können an den Steinen beobachten wie nur eine feine Kruste genügend erhitzt wurden. Die Steine haben deutlich ihre Farbe verändert. Vom Beige wandeln sie sich in ein helles Grau. Der Kern ist aber immer noch eher glasig hart.

Wir öffnen den Meiler von Vorne. Interessant ist wie sich die Hölzer welche als Schutz der Lehmschicht platziert wurden rückstandlos verbrannt sind. Schön ist auch zu beobachten, wie die Lehmreiche Erdschicht rot gebrannt ist und als Aussengewölbe stabil ist.

Wir lassen den Meiler vorerst in diesem Stadion stehen. Wir werden uns schlauer machen und ergründen welche Faktoren zu verbessern sind.

Etwas ernüchternd, aber mit der Zuversicht in nächster Zeit einen Feldofen zu realisieren, schliessen wir unsere erste Etappe ab.